Triumph
Aus Deine Geschichte Wiki
Das Zeitzeugenportal 89I90 ist eine Internetplattform, die Zeitzeugen der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit an Schulen und außerschulische Träger der historisch-politischen Bildungsarbeit vermittelt. Darüber hinaus bietet die Homepage thematisch einschlägige Ressourcen, die unter anderem zur Vorbereitung von Schulstunden oder Veranstaltungen zum Thema Friedliche Revolution und Deutsche Einheit geeignet sind.
Auf dieser Seite findest du ausgewählte Beiträge vom Zeitzeugenportal www.zeitzeugenportal8990.de, die in kleinen Geschichten die Ereignisse des Mauerfalls und der Wiedervereinigung vom Vorabend der Revolution bis hin zur Zustimmung der Alliierten Mächte zur deutschen Einheit erzählen.
Kleine Geschichte: Triumph
Triumph
Mit der Volkskammerwahl am 18. März siegt die Friedliche Revolution in der DDR
Als am Sonntag, dem 18. März, die Wahllokale in der DDR schließen und die erste Prognose von Hochrechnungen abgelöst wird, ist die Sensation längst perfekt: Bei der ersten und einzigen freien Volkskammerwahl in der Geschichte der DDR votieren 48 Prozent der Wähler für die „Allianz für Deutschland“, bestehend aus der Ost-CDU, dem Demokratischen Aufbruch (DA) und der Deutschen Sozialen Union (DSU).
In Ihrem Bericht über die Umbruchszeit in Pößneck geht Inge Barg auch auf die Volkskammerwahl 1990 ein: „Seit Jahren habe ich mir vorgenommen meine persönlichen Erlebnisse während der Wendezeit einmal aufzuschreiben. Jetzt finde ich erst die Zeit und Muse dazu. Viele Unterhaltungen mit Parteifreunden aus den alten Ländern, machten mir Mut und brachten zum Ausdruck, dass die Erlebnisse aufschreibenswert sind. …“ [weiter lesen ►]
Die Parteien und Bündnisse der Bürgerbewegung vereinen lediglich rund 27 Prozent auf sich. Davon entfallen knapp 22 auf die Ost-SPD, die sich des Sieges in den Wochen zuvor allzu gewiss glaubte. Die Liberalen erhalten fünf Prozent, immerhin jeder sechste Wähler stimmt für die PDS. Zu den wahlentscheidenden Fragen zählte die Haltung der Parteien zur deutschen Einheit. Zwar hatten sich auch die SPD und die Wahlbündnisse der Bürgerbewegung für die Wiedervereinigung ausgesprochen. Doch es war die „Allianz für Deutschland“, die diesen Weg am direktesten zu gehen plante. Noch wichtiger war, dass die Allianz – anders als ihre Konkurrenten – auf die Unterstützung der Regierung Kohl verweisen konnte, von der sich viele Ostdeutsche rasche materielle Unterstützung versprachen. Als sich am 12. April 1990 unter Ministerpräsident Lothar de Maizière die Regierung der großen Koalition aus den Parteien der Allianz, der SPD und den Liberalen konstituiert. Mit den freien Wahlen hat die Friedliche Revolution obsiegt.
Die Pfarrerin Eva-Maria Schneider organisiert in Mildensee, einem Stadtteil von Dessau, Anfang Februar 1990 die erste freie und demokratische Wahl auf DDR-Boden: „Mildensee, das als Stadtteil von Dessau eingemeindete Dorf, soll aufgrund der ungünstigen Lage an der nahen Autobahn aufgegeben werden. Für das Dorf bedeutet das keine Neuansiedlungen, keine Investitionen oder Reparaturen mehr. …“ [weiter lesen ►]
Angleichung
Mit der Währungs- Wirtschafts- und Sozialunion hält die D-Mark im Osten Einzug
Die Regierung de Maizière steht vor unvergleichlichen Herausforderungen. Ihr Wählerauftrag lautet, den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik so schnell und verantwortungsvoll wie möglich zu vollziehen, die dafür notwendigen politischen Reformen voranzubringen, die ökonomische Situation und vor allem die Versorgungslage in der DDR zu stabilisieren und gemeinsam mit der Bundesrepublik die für die Vereinigung notwendigen bilateralen und internationalen Vertragswerke auszuhandeln. Ost-Berlin wie Bonn geraten unter Handlungsdruck: Jeden Tag packen zweitausend Ostdeutsche ihre Koffer und ziehen nach Westen. Dort sind die Aufnahmekapazitäten längst erschöpft, während im Osten die Lücken kaum mehr geschlossen werden können, die die 550.000 Übersiedler seit Sommer 1989 gerissen haben. Derweil skandieren die Menschen auf der Straße: „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, gehn wir zu ihr!“
Am 1. Juli tritt die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, deren vertragliche Grundlage bereits am 18. Mai unterzeichnet worden war, in Kraft. Über Nacht hält mit der D-Mark auch die Marktwirtschaft zwischen Elbe und Oder offiziell Einzug.
Aus dem Mythos Westmark wurde für die Leipzigerin Katharina Steinwachs ein ganz normales Zahlungsmittel – und Intershop und Ostmark Geschichte: „Der 30. Juni 1990 fiel auf einen Sonnabend. In dieser schönen Frühsommernacht endete für uns DDR-Bürger der Mythos der Westmark, die sich ab jetzt in unser normales Zahlungsmittel verwandelte. …“ [weiter lesen ►]
Evi Schnepf schildert ihre Eindrücke über Waren aus dem Westen in den Konsumkaufhallen: „Die Zeit damals war für uns alle sehr aufregend. Wir verfolgten jeden Tag nach der Arbeit aufmerksam die Nachrichten auf allen Programmen die uns zur Verfügung standen. Ich arbeitete zu dieser Zeit in einer Konsumkaufhalle in Mühlhausen in Thüringen. …“ [weiter lesen ►]
Der DDR-Staatsbesitz soll von der Treuhandanstalt privatisiert werden, deren Errichtung auf einen Beschluss der Regierung Modrow zurückgeht.
Solidarität
Das Jahr 1990 steht im Zeichen gesamtdeutscher Erkundungen und Unterstützung
Im Frühjahr 1990 sprechen sich 85 von 100 Ostdeutschen für die Wiedervereinigung aus, im Westen Deutschlands sind es im Januar 70 Prozent. Aus Ost wie West machen sich die Menschen auf, den anderen Teil Deutschlands zu erkunden. Die Neugier auf und die Freude über das Wiedersehen sind groß. Solidarität beschränkt sich nicht auf das Begrüßungsgeld von 100 DM, das Ostdeutschen nach dem Mauerfall die Entdeckung des Westens erleichtert.
Jürgen Alwert erinnert sich an die Auszahlung des Begrüßungsgeldes: „Die Glocken hatten das Jahr 1989 eingeläutet. Das politische Klima hatte sich durch die Ereignisse in der damaligen Sowjetunion auch in der DDR gewandelt. …“ [weiter lesen ►]
Wolfgang Löhmer berichtet unter anderem über das Begrüßungsgeld sowie über die Erlebnisse mit den westdeutschen Konsumgütern: „Ich saß am 9. November 1989 am Fernseher und schaute mir die tägliche Pressekonferenz an, die die Tagesereignisse aus Sicht der Partei- und Staatsführung kommentierte. Da wurde dem Redner Günther Schabowski ein kleiner Zettel gereicht. …“ [weiter lesen ►]
Bundesländer und Kommunen, Parteien, Verbände und Vereine, viele Privatpersonen schließen Partnerschaften. Sie unterstützen die demokratische Umgestaltung und den wirtschaftlichen Neuanfang mit Geld, Personal und Sachkunde. Noch gibt es weder den Begriff des „Besser-Wessis“ noch den des „Jammer-Ossis“. Trotz mancher Warnung und Skepsis erwarten viele alsbald „blühende Landschaften“. Viele Ostdeutschen erfüllen sich lange gehegte Träume: Auf den Champs d’ Elysés und auf Mallorca ist plötzlich Sächsisch zu vernehmen. Der Gebrauchtwagenmarkt in Westdeutschland ist leer gefegt. In der Euphorie des Moments scheinen selbst Gurken, Senf oder Mehl aus Westdeutschland besser zu schmecken als einheimische Produkte. Ostalgie ist in dieser Zeit unvorstellbar.
Foto: VivaoPictures / Raphaël Thiémard
